Ob „Davon geht die Welt nicht unter“ oder „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ – die Lieder von Zarah Leander sind bis heute Teil des kollektiven deutschen Gedächtnisses. Doch die Frau hinter der Stimme, geboren am 15. März 1907 im schwedischen Karlstad, war mehr als eine Sängerin: Sie wurde zum größten weiblichen Star der UFA im Nationalsozialismus. Ihre Karriere wirft bis heute Fragen auf – nach Kunst, Moral und politischer Verantwortung.

Geboren: 15. März 1907 in Karlstad, Schweden ·
Gestorben: 23. Juni 1981 in Stockholm, Schweden ·
Nationalität: Schwedisch ·
Beruf: Schauspielerin, Sängerin ·
Bekannt für: Filme im Nationalsozialismus, Schlager

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Ihre tatsächliche politische Einstellung gegenüber dem NS-Regime
  • Ob sie freiwillig oder unter Druck Propagandafilme drehte
  • Das Ausmaß ihrer persönlichen Nähe zu NS-Funktionären
3Zeitleisten-Signal
  • 1937: Wechsel zur UFA nach Deutschland
  • 1942: Hauptrolle in „Die große Liebe“
  • 1943: Rückzug nach Schweden
4Wie es weitergeht
  • Ihr musikalisches Werk wird bis heute rezipiert und kontrovers diskutiert
  • Die historische Forschung arbeitet ihre Rolle im NS-Kino weiter auf

Sieben biografische Eckdaten, die das Bild einer außergewöhnlichen Karriere zeichnen:

Merkmal Wert
Geburtsdatum 15. März 1907
Geburtsort Karlstad, Schweden
Todesdatum 23. Juni 1981
Todesursache Krebserkrankung (laut Berichten)
Kinder Zwei (Sohn und Tochter)
Ehen Zwei (Nils Leander und Vidar Hülphers)
Grabstätte Norra begravningsplatsen, Stockholm

Warum war Zarah Leander umstritten?

Die Zusammenarbeit mit dem NS-Regime

Zarah Leander wirkte in mehreren großen UFA-Filmen des NS-Kinos mit, darunter der propagandistisch belasteten Produktion „Die große Liebe“ (Deutsches Historisches Museum, LeMO). Die UFA hatte sie 1936 engagiert, um Marlene Dietrich zu ersetzen und der deutschen Filmindustrie einen zugkräftigen Star zu verschaffen (fembio, Institut für Frauen-Biographieforschung).

Der Widerspruch

Leander bestritt zeitlebens, mit dem NS-Regime sympathisiert zu haben, und stellte sich als unpolitische Künstlerin dar (Murnau-Stiftung, Filmerbe-Archiv). Dennoch wurden ihre Filme und Liedtexte von der NS-Propaganda genutzt.

Kontroverse um ihre politische Haltung

Die Nationalsozialisten wollten sie zur Staatsschauspielerin ernennen – doch sie lehnte ab (Murnau-Stiftung). Dieser Schritt spricht gegen eine vorbehaltlose Identifikation mit dem Regime. Gleichzeitig wurden ihre Lieder aus „Die große Liebe“ wie „Davon geht die Welt nicht unter“ und „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ als Durchhalteparolen gelesen (laut.de, Musikportal). Der schwedische öffentlich-rechtliche Rundfunk Sveriges Radio berichtet, dass ihre beiden bekannten Kriegslieder vom nationalsozialistischen Rundfunk genutzt wurden (Sveriges Radio, schwedischer Rundfunk).

Rezeption nach dem Krieg

Nach ihrer Rückkehr nach Schweden 1943 wurden ihre Filme und Schallplatten von den damaligen Machthabern verboten (SWR, Südwestrundfunk). Für Teile der schwedischen Öffentlichkeit war sie eine Verräterin, Spionin oder Saboteurin (SWR).

Fazit: Zarah Leander war weder die überzeugte Nationalsozialistin, als die sie nach dem Krieg oft dargestellt wurde, noch die völlig unpolitische Künstlerin, als die sie sich selbst beschrieb. Historiker sehen eine differenzierte Position: Sie nutzte das System für ihre Karriere, ließ sich aber nicht vollständig vereinnahmen.

Was geschah mit Zarah Leander?

Frühes Leben und Karrierebeginn

Zarah Leander wurde am 15. März 1907 als Sara Stina Hedberg in Karlstad, Schweden, geboren (Deutsches Historisches Museum, LeMO). Sie begann ihre Karriere Ende der 1920er Jahre als Sängerin und Schauspielerin (Murnau-Stiftung).

Erfolge im nationalsozialistischen Deutschland

1936 wurde sie von der UFA engagiert (fembio) und stieg rasch zum größten weiblichen Star des NS-Kinos auf. Einige Darstellungen beschreiben sie als die größte weibliche Filmstar-Figur der deutschen NS-Zeit (Wikipedia (spanisch)). 1942 spielte sie die Hauptrolle in „Die große Liebe“, einem der erfolgreichsten Filme der NS-Zeit.

Rückkehr nach Schweden und letzte Jahre

1943 verließ sie Deutschland und zog sich auf ihr Gut Lönö in Schweden zurück (SWR). Nach dem Krieg trat sie weiter auf, unternahm Tourneen und nahm Platten auf. Sie starb am 23. Juni 1981 in Stockholm an einer Krebserkrankung (Murnau-Stiftung).

Fazit: Leanders Biografie spiegelt den Aufstieg einer ehrgeizigen Künstlerin, die in einem verbrecherischen System Karriere machte – und die Folgen dieser Entscheidung bis zu ihrem Tod nicht loswurde.

War Zarah Leander eine Schwedin?

Ihre schwedische Herkunft

Zarah Leander wurde in Schweden geboren und blieb zeitlebens schwedische Staatsbürgerin (Wikipedia, die freie Enzyklopädie). Ihr bürgerlicher Name war Sara Stina Hedberg (Murnau-Stiftung).

Ihr Leben in Deutschland und Schweden

Von 1937 bis 1943 lebte und arbeitete sie in Deutschland, kehrte dann aber nach Schweden zurück. Sie pendelte zwischen beiden Ländern, blieb aber kulturell und rechtlich Schwedin.

Nationale Identität und öffentliche Wahrnehmung

In Schweden wurde sie nach dem Krieg als Verräterin wahrgenommen, während sie in Deutschland bis heute als Ikone des UFA-Kinos gilt. Ihre nationale Identität war stets klar – ihre politische Loyalität blieb Gegenstand der Debatte.

Fazit: Ja, Zarah Leander war Schwedin – und genau das machte ihre Rolle im NS-Kino für viele Landsleute besonders verwerflich.

Wo ist Zarah Leander begraben?

Ihre letzte Ruhestätte

Zarah Leander wurde auf dem Friedhof Norra begravningsplatsen in Stockholm beigesetzt (Murnau-Stiftung). Ihr Grab ist bis heute eine Gedenkstätte, die von Fans und Historikern besucht wird.

Die Grabstätte in Stockholm

Der Norra begravningsplatsen ist einer der ältesten und bekanntesten Friedhöfe Stockholms. Leanders Grab liegt dort in einem schlicht gehaltenen Bereich – ein Ort der Stille für eine Frau, deren Leben alles andere als still war.

Hatte Zarah Leander Kinder?

Ihre Kinder und Familie

Zarah Leander hatte zwei Kinder: einen Sohn, Göran Leander, und eine Tochter, Boel Leander (Murnau-Stiftung).

Ehen und Partnerschaften

Sie war zweimal verheiratet: zunächst mit Nils Leander, später mit dem Journalisten Vidar Hülphers. Die Murnau-Stiftung nennt als weitere Ehemänner Vidar Forsell und Arne Hülphers – die Biografie zeigt mehrere Partnerschaften, die jedoch nicht alle gleich dokumentiert sind.

Was dies bedeutet

Leanders Familienleben blieb vergleichsweise privat, während ihre öffentliche Karriere im Rampenlicht stand. Die Kinder wuchsen teils in Schweden auf, fernab der deutschen Filmbühnen.

Zeitleiste: Zarah Leanders Leben

  • 15. März 1907: Geburt in Karlstad, Schweden
  • 1929: Erste Schallplattenaufnahmen
  • 1937: Wechsel nach Deutschland und Vertrag mit der UFA
  • 1942: Hauptrolle in „Die große Liebe“
  • 1943: Rückzug aus Deutschland und Rückkehr nach Schweden
  • 1945: Ende des Zweiten Weltkriegs – Beginn der Nachkriegskontroversen
  • 1950er: Weitere Tourneen und Plattenaufnahmen
  • 23. Juni 1981: Tod in Stockholm
Fazit: Die Zeitleiste zeigt einen klaren Bruch: 1943 endete die deutsche Karriere, doch die Nachwirkungen zogen sich über Jahrzehnte.

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Geburts- und Todesdaten sind durch Standesämter und Archive belegt
  • Ihre Filmografie ist vollständig dokumentiert (DHM, LeMO)
  • Sie lehnte die Ernennung zur Staatsschauspielerin ab (Murnau-Stiftung)
  • Sie blieb schwedische Staatsbürgerin (Wikipedia)
  • Sie hatte zwei Kinder (Göran und Boel)
  • Ihr Grab befindet sich in Stockholm

Was unklar bleibt

  • Ihre tatsächliche innere Haltung zum NS-Regime
  • Ob sie unter Druck oder freiwillig für die NS-Propaganda arbeitete
  • Das genaue Ausmaß ihrer Kontakte zu NS-Funktionären
  • Ob sie die propagandistische Wirkung ihrer Filme bewusst in Kauf nahm

Stimmen zu Zarah Leander

„Ich war nie politisch. Ich war nur eine Künstlerin, die singen und spielen wollte.“

– Zarah Leander in ihrer Autobiografie

„Kritiker werfen ihr vor, bewusst die NS-Propaganda unterstützt zu haben – ihre Lieder waren Durchhalteparolen in Uniform.“

– Historiker, zitiert nach SWR-Berichterstattung

Die zwei Perspektiven könnten gegensätzlicher nicht sein: Leander selbst beteuerte zeitlebens ihre Unpolitik, während Historiker auf die faktische Nutzung ihrer Kunst durch das Regime verweisen.

Zusammenfassung

Zarah Leander war eine der erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Talent brachte ihr Ruhm – ihre Entscheidung, im NS-Staat Karriere zu machen, brachte ihr ein gespaltenes Erbe ein. Für das deutsche Publikum bleibt die Frage, ob man die Kunst von der Person trennen kann, eine offene Wunde. Für die historische Forschung ist Leander ein Fallbeispiel für die Verstrickung von Kultur und Diktatur. Die Musik aber, die sie hinterließ, ist bis heute unüberhörbar.

Häufig gestellte Fragen

Welche Lieder von Zarah Leander sind am bekanntesten?

Zu ihren bekanntesten Liedern zählen „Davon geht die Welt nicht unter“ und „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ aus dem Film „Die große Liebe“ (1942).

Wie hieß Zarah Leander mit bürgerlichem Namen?

Ihr bürgerlicher Name war Sara Stina Hedberg (Murnau-Stiftung).

Welche Auszeichnungen erhielt Zarah Leander?

Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesfilmpreis und dem schwedischen Kulturpreis. Die genaue Liste variiert je nach Quelle.

Gab es einen Skandal um Zarah Leander nach dem Krieg?

Ja, in Schweden wurde sie nach dem Krieg als Verräterin beschimpft, ihre Filme wurden zeitweise verboten (SWR).

Hat Zarah Leander auch auf Schwedisch gesungen?

Ja, sie nahm viele Lieder sowohl auf Deutsch als auch auf Schwedisch auf und spielte Platten für den skandinavischen Markt ein.

War Zarah Leander mit anderen NS-Größen befreundet?

Es gibt Berichte über Kontakte zu Joseph Goebbels, der sie förderte, aber das genaue Ausmaß der persönlichen Beziehung ist nicht abschließend geklärt.

Wie viele Filme drehte Zarah Leander?

Sie drehte insgesamt etwa 25 Filme, darunter sowohl schwedische als auch deutsche Produktionen.